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Das Grab Bag für Fahrtensegler

Ein Schiff aufzugeben, sollte im Seenotfall immer die letzte Option sein. Bleibt der Crew jedoch nichts anderes übrig, als in die Rettungsinsel zu gehen, sollten die (über) lebenswichtigen Dinge griffbereit sein. Die Pantaenius-Experten haben ein exemplarisches Grab Bag zusammengestellt.

Die Rettungsinsel gehört an Bord zu den Dingen, von denen man hofft, dass sie niemals zum Einsatz kommen. „Wer einmal ein Offshore-Sicherheitstraining gemacht hat, wird bis zum letzten Moment um sein Schiff kämpfen, bevor er in die Insel geht“, bekräftigt Kim Reise, erfahrene Tourenseglerin und bei Yachtversicherungs-Spezialisten Pantaenius im Bereich Yachtschäden tätig. Denn ein schwimmendes Schiff bietet immer eine größere Sicherheit und ist stabiler als eine Rettungsinsel. Diese ist der letzte Ausweg, bevor das Schiff sinkt.

Dennoch gibt es Situationen, in denen die Yacht aufgegeben werden muss – Kim Reise hat jedes Jahr ein bis zwei Kunden, die ihre Rettungsinsel tatsächlich nutzen. „Oftmals werden in der Hektik und nachts überlebenswichtige Dinge an Bord vergessen. Ein Kunde beispielsweise vergaß seine Diabetes-Medikamente an Bord und musste noch einmal zurück auf das sinkende Schiff klettern“– ein unnötiges Risiko in einem ohnehin kritischen Moment.


Daher gehört auf jedes Boot, mit dem längere Touren unternommen werden, auch ein sogenanntes „Grab Bag“: Eine Tasche, in der alles für das Überleben auf einer Rettungsinsel Nötige verstaut ist und die mit einem Griff parat ist.Im Handel gibt es spezielle, bereits fertig gepackte Bags, doch als Grab Bag eignet sich praktisch jedes wasserdichte, schwimmende und strapazierfähige Behältnis. Eine wasserdichte Tasche beispielsweise eignet sich gut; achten Sie darauf, dass sie zu circa 30 Prozent Luft enthält. Ebenfalls praktisch sind Kanister mit großem Deckel.


Was gehört in das Grab Bag?

Nach der ISO 9650-1/2-Norm, die seit 2005 in Kraft ist, muss eine Rettungsinsel eine bestimmte Mindestausstattung haben. Dazu gehören unter anderem ein Treibanker, ein Messer,ein Leckstopfen, eine Taschenlampe, zwei Paddel und ein Wurfring. Längst nicht jeder Eigner weiß, wie seine Rettungsinsel ausgestattet ist – nutzen Sie das nächste Wartungsintervall, um die Ausrüstung in Augenschein zu nehmen. In das Grab Bag wandern vor allem Dinge des persönlichen Gebrauches, der Kommunikation und der Sicherheit:


1) Wasserfestes Handfunkgerät

Um Mayday zu funken und mit den Rettungskräften zu kommunizieren, ist ein gutes Handfunkgerät unerlässlich. Idealerweise ist es DSC-fähig und mit einem GPS Empfänger ausgestattet. Ersatzbatterien nicht vergessen!


2) Handfackeln

Fackeln leuchten in der Nacht weit und helfen auf Ihre Lage aufmerksam zu machen. Weiterhin können Rauchtöpfe am Tag das Auffinden erleichtern.


3) Medikamente

Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, an Asthma oder Allergien leiden, so sollte eine ausreichende Menge dieser Arzneien in das Grab Bag wandern. Ebenfalls sinnvoll: Schmerztabletten, Mittel gegen Seekrankheit, Heilsalbe, Desinfektionslösung und Verbandszeug. Eine kleine Tube Zahnpasta und Zahnbürsten sind ebenfalls nützlich.


4) Wasser

Während ein Mensch durchaus mehrere Wochen ohne Nahrung auskommen kann, sind es ohne Flüssigkeit maximal einige Tage. Daher gehört unbedingt ein Wasservorrat in die Rettungsinsel. Da Süßwasser leichter ist als Salzwasser, können Sie auch einige Kanister zu circa 2/3 mit Wasser füllen und an der Rettungsinsel befestigen. So können Sie mehr Flüssigkeit mitnehmen und bei Bedarf umfüllen.


5) Essen

Lange haltbare Nahrungsmittel mit hoher Energiedichte wie Nüsse, Trockenfrüchte, Schokolade und Energieriegel helfen Ihnen über die Zeit in der Rettungsinsel und heben die Stimmung.


6) Schlüssel, Dokumente, Kreditkarte

Nicht unmittelbar lebenswichtig, dennoch ersparen Ihnen Kopien Ihrer Ausweis- und Bootspapiere, eine Kreditkarte sowie wichtige Ersatzschlüssel später unnötige Behördengänge.


7) Wasserfester Stift

Egal, ob Sie eine Positionsmeldung per Funk aufschnappen oder eine eigene notieren wollen: Ein wasserfester dicker Stift leistet gute Dienste. Mit ihm können Sie auch direkt auf die Innenwand der Rettungsinsel schreiben.


8) Hand-GPS und -Kompass

Auch hier gilt: Batterien nicht vergessen!

 

9) Messer

Rettungsinseln müssen mit einem Messer ausgestattet sein, doch nicht immer ist dies unbedingt tauglich. Nehmen Sie lieber ein eigenes mit, idealerweise zum Klappen.


10) Taschenlampe

Eine wasserfeste Taschenlampe erleichtert die Orientierung in der Nacht und kann auch zum Geben von Lichtzeichen genutzt werden. Am besten ist ein hochwertiges Modell, das auch weit sichtbares Funkellicht erzeugen kann (Rundumlicht mit 40 bis 60 Blitzen pro Minute).

 

11) Rettungsdecken

Metallbeschichtete Decken sind leicht, nehmen nicht viel Platz weg und schützen vor Unterkühlung. Heat Packs zum Umknicken geben ebenfalls einen angenehmen Wärmeimpuls.

 

12) Sonnenschutz

Ein Hut, eine Sonnenbrille und eine Creme mit hohem Lichtschutzfaktor bewahren von Sonnenstich und Sonnenbrand.


13) Tauwerk, Gurtband, Tape

Mit Tauwerk oder Gurtband können Personen gesichert oder Gegenstände an der Rettungsinsel festgemacht werden. Immer gut: Eine Rolle Grey Tape.

 

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