
"Ich sah eine dichte graue Regenwand auf uns zukommen"
Jan Speur und Monique Klompé lagen in einer ruhigen Bucht vor Korsika vor Anker, als sie von einem Medicane überrascht wurden. Ihre Jacht "Witte Walvis" landete auf einem Kieselstrand. Heute segelt sie wieder auf dem Mittelmeer. Sie ist einer von 1440 Strandungsfällen, die Pantaenius seit 2022 erfolgreich abgewickelt hat.
Der Klang von Regentropfen an Deck weckt die Crew der „Witte Walvis“ am 18. August 2022 gegen 8 Uhr morgens. Jan Speur und Monique Klompé liegen mit ihrer Contest 46 vor Anker in der Bucht von Crovani an der Westküste von Korsika.
In der Nacht zuvor waren Speur und Klompé auf dem Weg von Ajaccio nach Calvi. Der Wind wehte mit 30 Knoten aus Nordost, als sie gegen 4 Uhr früh nach sorgfältiger Prüfung der Wettervorhersage beschlossen, in der nach Südwesten offenen Ankerbucht Schutz zu suchen.
Trügerische Ruhe vor Anker
Am gewählten Ankerplatz war es ruhig. Speur und Klompé fierten ihren 35-Kilo-Anker mit 50 Meter Kette plus 20 Meter Leine bei 15 Meter Wassertiefe in einer Entfernung von 100 bis 200 Meter von der Küste. Am folgenden Morgen sollte es weitergehen.
Doch als Jan Speur aufsteht, um wegen des Regens die Luken zu schliessen, beginnt ein Alptraum. Er erinnert sich: „Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich eine dichte graue Regenwand und eine scharfe Linie auf der Wasseroberfläche schnell auf uns zukommen.“
Ein Medicane überrascht die Crew
30 Sekunden später erfasst die Böenwalze die „Witte Walvis“. Die Yacht reisst wild am Ankergeschirr. Doch was tun? Speur sagt: „Ich sah, wie eine der anderen Yachten versuchte, aus der Bucht zu entkommen, aber das misslang. Sie endete auf dem Strand“.
Der Wind, der unvorhergesehen gedreht hat und nun aus Südwesten weht, nimmt immer weiter zu. Bei 60 Knoten endet die Windanzeige. Dann beginnt der Anker zu slippen. Als die Yacht noch 50 bis 100 Meter vom Ufer entfernt ist, bricht auch noch die Ankerleine.
Strandung auf Kieselsteinen
Innerhalb weniger Sekunden strandet die „Witte Walvis“ neben einer Reihe anderer Yachten auf der Playa de Argentella. Die Contest kommt mit ihrer Steuerbordseite auf dem Kieselstrand zu liegen. Erst als sich das Wetter beruhigt, können die Eigner ihre Yacht verlassen.
Auf Korsika wird wegen des überraschenden Medicanes mit Windgeschwindigkeiten von über 100 Knoten der Katastrophenfall ausgerufen. Dem Sturm sind sechs Tote und ein Dutzend Verletzte zum Opfer gefallen. Die Behörden weisen die Eigner zunächst an, den Bereich zu verlassen.
Pantaenius aktiviert das Netzwerk
Noch am selben Tag meldet Monique Klompé ihre Strandung in der Pantaenius Schadenabteilung. Dort steht man bereits in Kontakt mit einem niederländischen Gutachterbüro, dessen Mitarbeiter wegen eines anderen Sturmschadens schon unterwegs auf die Insel ist.
Am nächsten Tag unterzieht dieser Gutachter die „Witte Walvis“ einer ersten Kontrolle. Äusserlich scheint die Yacht keine schwere Beschädigung aufzuweisen. Wegen der Vielzahl der Sturmschäden ist es jedoch schwierig, einen Termin mit einem Bergungsunternehmen zu machen.
Bergung
Der Plan besteht darin, mit einem Bagger von Landseite einen Graben neben der „Witte Walvis“ im Kieselstrand auszuheben. Mithilfe einer Schleppleine soll ein Motorboot die Yacht in den Graben und schliesslich in die Bucht ziehen. Allein die Umsetzung braucht wegen der Sturmfolgen Zeit.
Doch am 3. September hat das Warten ein Ende: die „Witte Walvis“ schwimmt wieder. Die nächste Kontrolle ergibt allerdings einen leichten Wassereinbruch über den Ruderkoker. Ein Taucher dichtet die Stelle noch vor Ort provisorisch ab, so dass die „Witte Walvis“ nach Calvi motoren kann.
Inspektion in Calvi
In Calvi übernimmt ein Gutachter von Marine Claims Service (MCS) am 5. September die Inspektion der Yacht. Die „Witte Walvis“ scheint relativ glimpflich davongekommen zu sein: Ruder beschädigt, Skeg beschädigt, Propeller verbogen, Bugkorb, Ankerhalter und Relingstützen verbogen.
Rumpf und Rigg weisen trotz der Wucht des Sturms keine weiteren erkennbaren Schäden auf. Um sicher zu gehen, soll der Rumpf allerdings per Ultraschall auf Delamination geprüft werden. Zudem können die Kielbolzen wegen der Einbautanks nicht inspiziert werden.
Reparatur in Marseille
In Calvi stehen die Mittel für die weitere Inspektion und Reparatur nicht zur Verfügung. MCS findet eine Werft in Marseille. Doch wegen des Lecks am Ruderkoker und der Schäden an Ruder und Skeg kann die Contest nicht sicher alleine segeln. Schliesslich organisiert der Gutachter den Transport per Lkw und Fähre.
Die Ultraschall-Untersuchung im Port de Corbière von Marseille Anfang Oktober ergibt zwar eine Delamination am Skeg, aber keine weiteren Schäden am Rumpf. Die Tanks werden ausgebaut. Es steht fest, dass die Kielaufhängung unbeschädigt geblieben ist.
Die "Witte Walvis" segelt wieder
So kann die „Witte Walvis“ den Winter über repariert werden. Unter anderem erhält sie ein neues, individuell angefertigtes Ruder, weil bei Contest keine Teile mehr für die 1989 gebaute Yacht vorrätig sind. Am 28. März lässt die Werft die „Witte Walvis“ wieder zu Wasser.
Anfang April findet der erste Testschlag statt. Am 12. April 2023 segelt die „Witte Walvis“ wieder auf das Mittelmeer hinaus. Sie ist einer von 718 Strandungsfällen, die Pantaenius 2022 zur vollsten Zufriedenheit der Kunden abgewickelt hat.

Wenn man eine Versicherung abschliesst, hofft man, dass man sie nie brauchen wird. Meine unfreiwillige Erfahrung mit Pantaenius ist, dass ich alles bekommen habe, was ich erwartet habe. Die Prämie, die ich bezahle, ist jeden Pfennig wert. Das Boot ist so gut wie vor dem Schaden.

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