Begegnungen vermeiden
Orca-Update
Seit fünf Jahren kommt es vor der iberischen Halbinsel zu Interaktionen zwischen Orcas und Yachten. Die zuständigen Behörden haben ihre Verhaltenstipps aktualisiert. Der wichtigste bleibt: Abstand halten.

Es schien gerade wieder ein bisschen ruhiger geworden zu sein um die Orcas vor der iberischen Halbinsel. Doch dann sank im September eine Segelyacht nach einer Interaktion mit den Meeressäugern. Seitdem kochen die Emotionen in den sozialen Netzwerken wieder hoch.
In den letzten fünf Jahren sind solche Fälle sechs Mal vorgekommen. Die Orcas beißen in die Ruderblätter oder reißen an ihnen. Die Tiere üben Kräfte aus, für die Ruderanlagen nicht ausgelegt sind. Es können Lecks entstehen, die zum Untergang führen können – wenn auch selten.
So berechtigt die Sorge um Crew und Schiff ist, wenn man in der Gegend unterwegs ist, so klar ist auch, dass Nüchternheit mehr hilft als Aufregung. Inzwischen haben die betroffenen Behörden fünf Jahre Erfahrung mit Interaktionen und ihre Empfehlungen entsprechend angepasst.
Die Vorfälle sind anscheinend das Werk einer sehr kleinen Zahl von Tieren, deren Verhalten sich offenbar unter besonderen Umständen entwickelt hat. Die Ursache ist nach wie vor unklar. Die meisten dieser Vorfälle ereigneten sich zwischen der Straße von Gibraltar und dem Golf von Cádiz.
Auf der Webseite des spanischen Verkehrsministeriums sind Sichtungen und Interaktionen der vergangenen Jahre in einer Karte zusammengetragen. Auf dieser Grundlage empfiehlt das Ministerium die folgenden fünf wichtigsten Verhaltensmaßnahmen:
Zwischen April und August sollten Boote die ausgewiesene Zone im Golf von Cádiz und in der Straße von Gibraltar meiden. Wer in dieser Region unterwegs ist, bleibt am besten so nah wie möglich an der Küste – natürlich innerhalb der Sicherheitsgrenzen, um eine Legerwallsituation zu vermeiden.
Kommt es doch zu einer Interaktion mit Walen oder Delfinen, gilt: Nicht anhalten! Stattdessen sollte man Kurs Richtung Küste aufnehmen und in flacheres Wasser fahren. Dieser Rat ist neu. Anfänglich hatte man noch empfohlen, das Boot aufzustoppen.
An Bord ist Vorsicht geboten: Niemand sollte sich während einer Interaktion in der Nähe der Bordwand aufhalten. Alle Crewmitglieder sollten sich an geschützten Stellen aufhalten, um bei plötzlichen Bewegungen des Bootes Verletzungen oder Stürze über Bord zu vermeiden.
Außerdem ist es wichtig, auf jede Art von Abschreckungsmaßnahmen zu verzichten. Alles, was Meeressäuger verletzen, beunruhigen oder in ihrem Verhalten stören könnte, ist tabu. Die Tiere sind geschützt und Verstöße stehen unter Strafe.
Wer Wale oder Delfine sichtet oder eine Interaktion erlebt, sollte dies dem nächstgelegenen Seenotrettungszentrum melden – über UKW-Kanal 16 oder den jeweils genutzten Arbeitskanal.
Wenn Sie selbst in den betroffenen Seegebieten unterwegs sind, sollten Sie auf jeden Fall auf unliebsame Begegnungen vorbereitet sein. Dies beinhaltet im Idealfall auch, mit Reparaturmaterialien ausgestattet zu sein, die im Fall eines Ruderschadens helfen. Dennoch sollte klar sein, dass die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs statistisch gesehen eher gering ist.


