Lernen von inklusiven Segelcrews
Kommunikation an Bord
Das BAT Sailing Team segelt mit einem Team aus Blinden, Sehbehinderten, einer Gehörlosen, Hörenden und Sehenden erfolgreich in der 2. Bundesliga mit. Von ihren Erfahrungen können alle Crews lernen. Vor allem: Kommunikation!

Das BAT Sailing Team segelt mit einem Team aus Blinden, Sehbehinderten, einer Gehörlosen, Hörenden und Sehenden (Fotos: DSBL/ Sailing Energy).
Ein etwas besseres Ergebnis hätte das BAT Sailing Team sich schon gewünscht. Die Hamburgerinnen und Hamburger schlossen die 2. Segelbundesliga 2025 auf Platz 12 von 18 ab. Ein 6. Platz beim 4. Spieltag in Berlin lässt erahnen, dass an anderen Spieltagen vielleicht auch mehr drin gewesen wäre. Dabei segelt das Team erst die zweite Saison mit.
Mindestens so wichtig wie die Platzierung ist dem BAT Sailing Team allerdings das Signal, das von seiner Teilnahme ausgeht: Inklusion im Segelsport erfordert nicht unbedingt eigene Wettbewerbe oder eigene Bootsklassen. Sondern sie kann auch im Rahmen des ganz regulären Regattabetriebs stattfinden. Der Schlüssel dazu liegt in der Kommunikation an Bord.
David Koch hat eine Sehbehinderung und macht auf der J/70 die Vorschiffsarbeit. Das bedeutet, dass er unter anderem für Segelwechsel zuständig ist. Er setzt zum Beispiel an der Luvtonne den Gennaker, kann aber nicht sehen, wie weit die Tonne noch entfernt ist. Doch das Timing ist für den Erfolg des Manövers entscheidend: Das Segel soll weder zu früh noch zu spät kommen.
Noch 20 Bootslängen Abstand
Darum braucht David ständig Informationen von den anderen Crewmitgliedern: „Ich bekomme zum Beispiel gesagt: Die Luvtonne ist jetzt noch ungefähr 20 Bootslängen entfernt und wir machen noch zwei Wenden. Das sagt mir, welche Situationen in den nächsten Minuten auf uns zukommen und was das für mich bedeutet.“
In professionellen Crews ist eine solch dichte Kommunikation üblich, weiß Steuermann Marvin Hamm von einem Austausch mit Thomas Plößel, der mit Erik Heil bei den Olympischen Spielen 2016 und 2020 die Bronzemedaille im 49er gewann. „Tommy meinte, dass der Informationsfluss ein Erfolgskriterium ist. Wenn der abreißt, passieren Fehler. Dann muss man sich aktiv wieder reinbringen.“
In seiner Segelkarriere vor dem BAT Sailing Team war Marvin eine eher sparsame Kommunikation gewohnt: „Andere Teams würden gewisse Dinge nicht verbalisieren, weil sie sie für offensichtlich halten.“ Genau das könne aber zu Missverständnissen führen. „Dann muss zum Beispiel eine Halse abgebrochen werden, weil ein anderes Boot im Weg war und es heißt am Ende: „Ich dachte, Du hättest das gesehen.“

Das BAT Sailing Team segelt erfolgreich in der 2. Bundesliga mit.
Präzise Absprachen sind von Vorteil
„Wir müssen Dinge vor allem verbal kommunizieren. Dadurch sind wir sehr präzise in unseren Absprachen. Und das ist unser Vorteil.“ Dabei bedeutet Kommunikation nicht, dass viel geredet wird. Eher das Gegenteil. David Koch erklärt: „Wenn wir die Information in einen Satz mit vier Nebensätzen verschachteln, ist die Situation vorbei, bevor ich sie aufgenommen habe.“
Es geht eher darum, rechtzeitig und mit wenigen Worten viel zu sagen. Davon können auch Fahrtencrews profitieren, meint Marvin Hamm. „Das hat sicher jeder schon erlebt, dass von achtern jemand ruft: ‚Leine über!‘ und von vorne kommt die Antwort: ‚Welche Leine?‘ Das ist genau das Gegenteil davon, wie wir arbeiten müssen.“
Über Erfolg oder Misserfolg eines Manövers entscheidet, ob vor dem Manöver alle Beteiligten den Ablauf und die eigene Rolle darin kennen. Ansonsten überlässt man sich, seine Crew und sein Boot dem Zufall. Und das ist keine gute Idee, weder bei einem Hafenmanöver noch bei einem Segelwechsel in der Segelbundesliga.



