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15.05.2026
Prävention | Wartung & Technik

Trailern - „Ob man das wahre Gewicht seines Bootes wirklich kennt?“

Kann man sein Boot selbst trailern oder sollte man lieber einen Profi beauftragen? 

 

Holger Stürck von Glogau Yachttransporte gibt Tipps.

Abgesehen vom Straßentransport selbst – was sind die größten Gefahren für das Boot beim Absetzen auf einen Trailer?

Manchmal fangen die Probleme schon vor dem Absetzen an. Wenn das Boot falsch im Kran hängt, ist es schwer, es richtig abzusetzen. Das kann zum Beispiel dann passieren, wenn das Boot an einem Heißstropp hängt oder aber durch Ausrüstungsgegenstände nicht in der Waage ist.

Ein anderes Problem sind unpassende, schlecht oder falsch vorbereitete Trailer. Wenn der Trailer nicht zum Boot passt, können Stützen sogar die Außenhaut eindrücken.

 

Wie findet man die richtige Position für Stützen?

Eine Faustregel ist, dass die Stützen im Umfeld des Motors (z.B. Saildrives) gut aufgehoben sind. Dort sitzt das Motorfundament und der Rumpf ist ausgesteift. Ansonsten einfach den Rumpf abklopfen. Dort, wo es hohl klingt, darf keine Stütze stehen.  

Allgemein sind die Boote tendenziell etwas empfindlicher geworden, weil neue Boote heute leichter gebaut werden als früher. Viele ältere Boote verzeihen Fehler etwas besser. Dafür gibt es heute aber von vielen Werften detaillierte Anleitungen, wo Stützen gesetzt werden dürfen und wo nicht. Wenn man so eine Anleitung nicht ohnehin mit dem Boot bekommen hat, sollte man bei der Werft nachfragen.

 

Gibt es einen Standardablauf, ein Verfahren, das man sich merken kann?

Im Grunde gibt es keinen Standardablauf, weil die Boote alle unterschiedlich sind. Was man sich aber merken kann:  Zuerst die Stützen am Trailer ganz runterdrehen oder wegklappen. Dann das Boot mit dem Kiel auf dem Trailer setzen, ohne den Trailer schon voll zu belasten, etwa die Hälfte bis 2/3 des Gesamtgewichts. Danach die Stützen an die richtigen Stellen bringen und das Gewicht langsam absetzen. Dabei gilt es den Gewichtsschwerpunkt zu beachten, um die Stützlast am Pkw nicht zu über- oder zu unterschreiten.

 

Sehen Sie nennenswerte Unterschiede zwischen Motor- und Segelbooten?

Motorboote sind eher schwieriger zu kranen, weil es schwieriger ist, die Gurtpunkte zu finden. Außerdem können die Gurte leichter ins Rutschen kommen, da es meistens keine Kielvertiefung gibt. Deswegen sollte man die Gurte immer am Boot sichern, zum Beispiel an Klampen. Das Absetzen ist eher leichter, weil man es mit einem durchgehenden Kiel zu tun hat.

Segelboote sind eher leichter zu kranen, weil man ungefähr erahnen kann, wohin die Gurte kommen, solange man auf Saildrive und Welle achtet. Aber sie sind eher schwerer abzusetzen, weil die Verteilung von Kiel und Rumpf zu beachten ist. Bei modernen Segelyachten ist der Schwerpunkt oft hinter dem Ende des Kiels und daher ist das Heck schwerer als gedacht. 

 

Was würden Sie sagen, kann ein Eigner selbst machen und wann würden Sie auf jeden Fall zum Fachbetrieb raten?

Ich würde sagen, Eigner kleinerer Segel- und Motorboote bis zwei Tonnen mit Erfahrung im Gespannfahren können das selbst machen. Die Frage ist, ob man das wahre Gewicht seines Boots wirklich kennt. Boote können auch ohne große Ausrüstung in der Wirklichkeit mehr wiegen als auf dem Papier. Damit überschreitet man dann auch schnell das zulässige Gesamtgewicht. Über zwei Tonnen würde ich zu Profis mit Erfahrung und speziellen Lehrgängen in Ladungssicherung raten.   

 

Was sind die wichtigsten Tipps vom Profi aus der Praxis für den Eigner, der den Job selbst macht? 

Man sollte sich auf keinen Fall nur aus finanziellen Gründen dafür entscheiden, das selbst zu machen. Außerdem ist es wichtig, die Technik am Trailer regelmäßig zu prüfen. Wenn man keine Routine hat, hilft es, an Schulungen teilzunehmen, z.B. bei TÜV oder Dekra.

 

Welche Infos braucht der Profi vom Eigner, wenn der Profi den Job machen soll?

Wir brauchen das genaue Gewicht, genau markierte Anschlagpunkte und bei Segelbooten auch die Info, ob das Boot einen Saildrive oder eine Welle hat. Außerdem natürlich die Hauptabmessungen wie Länge, Breite und gegebenenfalls Mastlänge. 

 

Vielen Dank für das Interview.

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